Alkohol am Steuer: Bußgeld, Punkte und Fahrverbot

Schon ab 0,5 Promille drohen ein Bußgeld, zwei Punkte und ein Fahrverbot. In der Probezeit und unter 21 Jahren gilt ein strengeres Alkoholverbot.

Update15.09.2026 · fachlich geprüft
Alkohol am Steuer: Bußgeld, Punkte und Fahrverbot

Promillegrenze, Probezeit, Fahrverbot und Einspruch verständlich erklärt.

Julia Obrazova, Autorin des Beitrags
Redaktionell erstellt von: Julia Obrazova Fachlich geprüft von: Kay Stolle, Rechtsanwalt und Fachanwalt für Transport- und Speditionsrecht Veröffentlicht: 11.09.2026 · Aktualisiert: 15.09.2026 · Fachlich geprüft: 15.09.2026 · Lesezeit: etwa 10 Minuten

Das Wichtigste in Kürze

  • Ab 0,5 Promille oder 0,25 mg/l Atemalkohol liegt regelmäßig eine Ordnungswidrigkeit nach § 24a StVG vor.
  • Der Bußgeldkatalog sieht beim ersten Verstoß 500 Euro, 2 Punkte und 1 Monat Fahrverbot vor.
  • In der Probezeit und unter 21 Jahren gilt nach § 24c StVG ein besonderes Alkoholverbot.
  • Bei Fahrunsicherheit, Gefährdung oder Unfall kann Alkohol am Steuer zur Straftat werden.

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Polizeikontrolle bei Alkohol am Steuer
@zuschnell.org - © Pexels - Alkohol am Steuer kann Bußgeld, Punkte, Fahrverbot oder strafrechtliche Folgen auslösen.

Welche Promillegrenzen gelten beim Autofahren?

Die 0,5-Promille-Grenze ist nur eine von mehreren wichtigen Alkoholgrenzen im Straßenverkehr. Je nach Wert und Fahrverhalten kann Alkohol am Steuer eine Ordnungswidrigkeit oder eine Straftat sein.

Promillegrenzen bei Kraftfahrern
AlkoholwertBedeutung
unter 0,5 PromilleKein §-24a-Verstoß allein aufgrund des Wertes. Bei alkoholbedingter Fahruntüchtigkeit kann trotzdem eine Straftat vorliegen.
ab 0,5 Promille oder 0,25 mg/l AtemalkoholOrdnungswidrigkeit nach § 24a StVG mit Bußgeld, Punkten und regelmäßigem Fahrverbot.
ab 1,1 Promille bei KraftfahrernAbsolute Fahruntüchtigkeit. § 316 StGB kann unabhängig von zusätzlichen Fahrfehlern erfüllt sein.

Kann Alkohol am Steuer auch unter 1,1 Promille strafbar sein?

Auch unterhalb von 1,1 Promille kann eine Straftat vorliegen, wenn konkrete alkoholbedingte Ausfallerscheinungen oder Fahrfehler die Fahruntüchtigkeit belegen. Werte um 0,3 Promille werden häufig als Orientierung genannt; eine starre gesetzliche 0,3-Promille-Grenze für § 316 StGB gibt es jedoch nicht.

Das BayObLG hat 2023 betont, dass relative Fahruntüchtigkeit auch ohne sicher festgestellten Mindestwert von 0,3 Promille nachgewiesen werden kann, wenn alkoholbedingte Ausfallerscheinungen anderweitig belegt sind.

Ab wann ist Alkohol am Steuer ordnungswidrig?

Eine Ordnungswidrigkeit liegt nach § 24a Abs. 1 StVG regelmäßig ab 0,25 mg/l Atemalkohol oder 0,5 Promille Blutalkohol vor. Der Vorwurf kann auch dann erhoben werden, wenn eine Alkoholmenge im Körper zu einer solchen Konzentration führt.

Die konkrete Sanktion richtet sich danach, ob bereits frühere einschlägige Entscheidungen wegen Alkohol, berauschender Mittel oder einschlägiger Straftaten im Fahreignungsregister eingetragen sind.

Bußgeldtabelle Alkohol am Steuer

Die folgenden Regelsätze ergeben sich aus der Anlage zur Bußgeldkatalog-Verordnung. Gebühren und Auslagen des Bußgeldbescheids kommen regelmäßig zusätzlich hinzu.

0,5-Promille-Grenze nach § 24a StVG
VerstoßBußgeldPunkteFahrverbotEinspruch
Erster Verstoß500 Euro2 Punkte1 MonatKostenlos prüfen
Eine einschlägige Voreintragung1.000 Euro2 Punkte3 MonateKostenlos prüfen
Mehrere einschlägige Voreintragungen1.500 Euro2 Punkte3 MonateKostenlos prüfen

Als einschlägig gelten für diese Staffelung insbesondere bereits eingetragene Entscheidungen nach § 24a StVG, § 316 StGB oder § 315c Abs. 1 Nr. 1a StGB. Ein früherer Punkt wegen Geschwindigkeit erhöht das Alkoholbußgeld daher nicht automatisch auf 1.000 Euro.

Was gilt bei Alkohol in der Probezeit?

Für Fahranfänger in der Probezeit und Fahrer unter 21 Jahren ist die normale 0,5-Promille-Grenze keine Freigrenze. § 24c StVG verbietet dort bereits, ein alkoholisches Getränk zu konsumieren beziehungsweise die Fahrt unter Alkoholwirkung anzutreten.

Ein Verstoß gegen das Alkoholverbot des § 24c StVG zählt in der Probezeit zu den A-Verstößen. Bei einer entsprechenden rechtskräftigen und registerrelevanten Entscheidung ordnet die Fahrerlaubnisbehörde beim ersten A-Verstoß ein Aufbauseminar an; die Probezeit verlängert sich nach § 2a StVG um zwei Jahre.

Alkoholverbot für Fahranfänger und Fahrer unter 21 Jahren
SituationBußgeldPunkteHinweis
Alkohol in der Probezeit oder unter 21250 Euro1 PunktKein Regelfahrverbot. Probezeitmaßnahmen nach § 2a StVG können hinzukommen.

Wann wird Alkohol am Steuer zur Straftat?

Alkohol am Steuer kann strafbar sein, wenn der Fahrer alkoholbedingt nicht mehr sicher fahren kann. § 316 StGB erfasst die Trunkenheit im Verkehr und sieht Geldstrafe oder Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr vor.

§ 315c StGB kommt in Betracht, wenn zusätzlich durch die alkoholbedingte Fahrunsicherheit Leib oder Leben eines anderen Menschen oder fremde Sachen von bedeutendem Wert konkret gefährdet werden.

Wann kann der Führerschein entzogen werden?

Bei einer Verurteilung wegen § 316 StGB oder § 315c StGB droht nicht nur eine Strafe, sondern auch die Entziehung der Fahrerlaubnis. Bei Straftaten nach § 316 oder § 315c StGB ist der Täter nach § 69 Abs. 2 StGB in der Regel als ungeeignet zum Führen von Kraftfahrzeugen anzusehen, sofern nicht besondere Umstände gegen die Regelannahme sprechen.

Das bedeutet: Der Führerschein wird nicht nur für eine feste Zeit als Fahrverbot abgegeben. Die Fahrerlaubnis wird entzogen und darf erst nach Ablauf einer Sperrfrist neu erteilt werden.

Wann droht nach Alkohol am Steuer eine MPU?

Eine MPU wird nicht bei jeder ersten 0,5-Promille-Fahrt automatisch angeordnet. Sie ist aber insbesondere bei wiederholten Alkoholverstößen, Hinweisen auf Alkoholmissbrauch oder einer Fahrt mit mindestens 1,6 Promille gesetzlich vorgesehen.

§ 13 FeV nennt unter anderem wiederholte Verkehrsverstöße unter Alkoholeinfluss, Alkoholmissbrauch, frühere Entziehungen aus entsprechenden Gründen sowie 1,6 Promille Blutalkohol beziehungsweise 0,8 mg/l Atemalkohol oder mehr. Auch unter 1,6 Promille kann eine MPU in Betracht kommen, wenn zusätzliche Tatsachen auf Alkoholmissbrauch hinweisen.

Der BayVGH hat etwa bei 1,17 Promille und nahezu fehlenden Ausfallerscheinungen eine solche Zusatztatsache angenommen, weil dies auf eine ungewöhnliche Alkoholgewöhnung hindeuten kann.

Was ist der Unterschied zwischen Atemalkohol und Blutalkohol?

Atemalkohol wird in mg/l, Blutalkohol in Promille gemessen. Für § 24a StVG nennt das Gesetz eigenständige Grenzwerte von 0,25 mg/l Atemalkohol und 0,5 Promille Blutalkohol. Die Werte sollten deshalb nicht einfach mathematisch ineinander umgerechnet werden.

Wie wird der Alkoholwert gemessen?

Für die rechtliche Einordnung kommt es nicht nur auf den gemessenen Wert, sondern auch auf Messart, Messzeitpunkt und Tatzeit an. Bei Ordnungswidrigkeiten kann eine beweissichere Atemalkoholmessung relevant sein; bei strafrechtlichen Vorwürfen steht häufig die Blutprobe im Mittelpunkt.

Geprüft werden sollte deshalb, wann die Fahrt stattfand, wann gemessen wurde, ob eine Rückrechnung auf den Tatzeitwert erforderlich ist und ob der Messwert tatsächlich zur vorgeworfenen Rechtsfolge passt.

Was sollte nach einem Alkoholvorwurf geprüft werden?

Bei Alkoholvorwürfen sind Messwert, Tatzeit, Messzeitpunkt, Fahrverhalten und Zustellung besonders wichtig. Gerade bei strafrechtlicher Fahruntüchtigkeit kann der Tatzeitwert entscheidend sein.

Typische Prüfpunkte bei Alkohol am Steuer
PrüfpunktWas konkret geprüft werden sollte
AlkoholwertHandelt es sich um Atemalkohol oder Blutalkohol?
TatzeitWann fand die Fahrt statt?
MesszeitpunktWie viel Zeit verging bis zur Messung?
FahrverhaltenGab es alkoholbedingte Ausfallerscheinungen oder Fahrfehler?
Unfall oder GefährdungKommt § 315c StGB statt nur § 316 StGB in Betracht?
Einschlägige VoreintragungenWelche Entscheidungen stehen tatsächlich im Fahreignungsregister?
ProbezeitGilt zusätzlich § 24c StVG?
FahrerlaubnisKommen MPU oder Entziehung der Fahrerlaubnis in Betracht?
ZustellungLäuft die Einspruchsfrist?

Wie viel Promille darf man auf dem Fahrrad haben?

Die 0,5-Promille-Ordnungswidrigkeit des § 24a StVG betrifft Kraftfahrzeuge und gilt nicht automatisch für ein normales Fahrrad. Strafbarkeit kann aber bei Fahruntüchtigkeit trotzdem in Betracht kommen.

Bei Radfahrern wird ab 1,6 Promille regelmäßig absolute Fahruntüchtigkeit angenommen. Außerdem kann die Fahrerlaubnisbehörde nach einer Fahrradfahrt mit 1,6 Promille oder mehr eine MPU verlangen.

Welche Alkoholgrenze gilt auf dem E-Scooter?

Ein E-Scooter ist ein Kraftfahrzeug. Deshalb gilt die 0,5-Promille-Grenze des § 24a StVG grundsätzlich auch beim Fahren eines E-Scooters. Das OLG Hamm hat 2025 bestätigt, dass für E-Scooter ebenfalls der Grenzwert von 1,1 Promille für absolute Fahruntüchtigkeit gilt.

Bei einer strafbaren Trunkenheitsfahrt mit dem E-Scooter kann deshalb ebenfalls die Entziehung der Fahrerlaubnis im Raum stehen.

Was ist der Unterschied zu Cannabis am Steuer?

Bei Cannabis kommt es seit der Gesetzesänderung auf die 3,5-ng/ml-THC-Grenze im Blutserum an. Außerdem ist die Kombination aus THC und Alkohol gesondert sanktioniert.

Für diesen Mischkonsumtatbestand muss nicht zusätzlich die 0,5-Promille-Grenze erreicht werden. § 24a Abs. 2a StVG verlangt bereits den Konsum eines alkoholischen Getränks beziehungsweise die Fahrt unter dessen Wirkung zusätzlich zum THC-Grenzwert.

Alkohol-Bußgeldbescheid prüfen lassen

Bei Punkten, Fahrverbot, MPU-Risiko oder Probezeitfolgen lohnt sich eine genaue Prüfung der Messung, der einschlägigen Voreintragungen und der Zustellung.

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Das sagt Rechtsanwalt Kay Stolle

Bei Alkoholvorwürfen sollte nicht nur die Promillezahl isoliert betrachtet werden. In der Praxis sind auch Messzeitpunkt, Tatzeit, Fahrverhalten, Probezeitstatus und einschlägige Voreintragungen entscheidend. Gerade bei drohender MPU oder Fahrerlaubnisentziehung lässt sich die Lage meist erst nach Akteneinsicht belastbar einordnen.

Häufige Fragen zu Alkohol am Steuer

Droht bei 0,5 Promille immer ein Fahrverbot?

Bei einem Verstoß gegen § 24a StVG sieht der Bußgeldkatalog regelmäßig ein Fahrverbot vor. Beim ersten Verstoß beträgt es einen Monat.

Wie viele Punkte gibt es für Alkohol am Steuer?

Ein Verstoß gegen die 0,5-Promille-Grenze wird nach Anlage 13 FeV mit zwei Punkten bewertet. Das Alkoholverbot in der Probezeit wird mit einem Punkt bewertet.

Ab wann ist Alkohol am Steuer eine Straftat?

Eine Straftat kann vorliegen, wenn der Fahrer alkoholbedingt fahruntüchtig ist. Ab 1,1 Promille wird bei Kraftfahrern absolute Fahruntüchtigkeit angenommen.

Was gilt ab 1,1 Promille?

Ab 1,1 Promille wird bei Kraftfahrern regelmäßig absolute Fahruntüchtigkeit angenommen. Dann kann § 316 StGB auch ohne zusätzliche Fahrfehler erfüllt sein.

Was bedeutet relative Fahruntüchtigkeit?

Relative Fahruntüchtigkeit bedeutet, dass Alkoholwert und konkrete Ausfallerscheinungen oder Fahrfehler zusammen die Fahruntüchtigkeit belegen.

Wann muss ich nach Alkohol am Steuer zur MPU?

Eine MPU ist insbesondere bei wiederholten Alkoholverstößen, Hinweisen auf Alkoholmissbrauch oder einer Fahrt mit mindestens 1,6 Promille vorgesehen.

Gilt in der Probezeit wirklich 0,0 Promille?

Für Fahranfänger in der Probezeit und Fahrer unter 21 Jahren gilt ein Alkoholverbot nach § 24c StVG. Die normale 0,5-Promille-Grenze ist dort keine Freigrenze.

Wie viel Promille darf man auf dem Fahrrad haben?

§ 24a StVG gilt nicht automatisch für normale Fahrräder. Ab 1,6 Promille wird bei Radfahrern aber regelmäßig absolute Fahruntüchtigkeit angenommen; außerdem kann eine MPU drohen.

Welche Alkoholgrenze gilt auf dem E-Scooter?

Ein E-Scooter ist ein Kraftfahrzeug. Deshalb gilt die 0,5-Promille-Grenze des § 24a StVG grundsätzlich auch beim E-Scooter.

Was ist der Unterschied zwischen Atemalkohol und Blutalkohol?

Atemalkohol wird in mg/l gemessen, Blutalkohol in Promille. § 24a StVG nennt beide Grenzwerte eigenständig.

Kann der Führerschein bei Alkohol dauerhaft entzogen werden?

Bei Straftaten nach § 316 oder § 315c StGB kann die Fahrerlaubnis entzogen werden. Eine neue Fahrerlaubnis wird dann erst nach Sperrfrist und gegebenenfalls nach weiteren Nachweisen erteilt.

Kann ich gegen den Bußgeldbescheid Einspruch einlegen?

Ja. Der Einspruch gegen den Bußgeldbescheid muss grundsätzlich innerhalb von zwei Wochen nach Zustellung eingelegt werden.

Was passiert bei Alkohol und Cannabis zusammen?

Bei 3,5 ng/ml THC oder mehr und zusätzlichem Alkohol gelten strengere Regelsätze. Dafür muss nicht zusätzlich die 0,5-Promille-Grenze erreicht sein.