PoliScan Speed & FM1: Funktionsweise, Prüfpunkte und Einspruch

POLISCAN ist eine Gerätefamilie von VITRONIC. Entscheidend sind POLISCAN FM1, Scanning-Lidar, Gerätevariante, Messfeld, Fahrzeugzuordnung, Auswertung und die konkrete Dokumentation der Messung.

Julia Obrazova, Autorin des Beitrags
Redaktionell erstellt von: Julia Obrazova Fachlich geprüft von: Kay Stolle, Rechtsanwalt und Fachanwalt für Transport- und Speditionsrecht Veröffentlicht: 28.07.2026 · Fachlich geprüft: 05.08.2026 · Lesezeit: etwa 4 Minuten

Das Wichtigste in Kürze

  • POLISCAN bezeichnet eine Gerätefamilie von VITRONIC.
  • POLISCAN FM1 ist das aktuell von der PTB gelistete Laserscanner-Geschwindigkeitsmessgerät dieser Familie.
  • Das System arbeitet mit Scanning-Lidar, erfasst Fahrzeuge im Messfeld und berechnet die Geschwindigkeit aus Positionsdaten.
  • Ältere PoliScan-Varianten stehen inzwischen in PTB-Archivlisten und sollten nicht mit POLISCAN FM1 gleichgesetzt werden.
  • PoliScan wird in der Rechtsprechung grundsätzlich als standardisiertes Messverfahren behandelt.
  • Prüfbar sind vor allem Geräteversion, Softwarestand, Messfoto, Falldatei, Auswertebereich und Fahrzeugzuordnung.

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Was ist PoliScan Speed?

POLISCAN bezeichnet eine Gerätefamilie von VITRONIC. Das aktuell in der PTB-Liste geführte System ist POLISCAN FM1. Ältere Bauarten wie PoliScan speed, PoliScan speed F1 und PoliScan M1 HP werden inzwischen im PTB-Archiv geführt.

Damit lassen sich drei Ebenen sauber trennen: POLISCAN als Gerätefamilie, POLISCAN FM1 als aktuell gelistetes konkretes System und Scanning-Lidar als Messprinzip. Für Betroffene ist deshalb wichtig, welche Geräte- und Softwareversion in der Messakte steht. Die rechtlichen Folgen richten sich anschließend nach der konkreten Geschwindigkeitsüberschreitung.

Mobiles PoliScan-Messgerät am Straßenrand bei einer Geschwindigkeitsmessung
@zuschnell.org Shutterstock, ID 1405223351 - mobiles PoliScan-Messgerät am Straßenrand bei einer Geschwindigkeitsmessung.

Wie funktioniert eine PoliScan-Messung?

PoliScan Speed arbeitet mit einem sogenannten Scanning-Lidar-Verfahren. Das Gerät sendet Laserimpulse in den überwachten Straßenbereich und erfasst Fahrzeuge innerhalb des Messfeldes. Aus nacheinander ermittelten Positionsdaten berechnet das System die Geschwindigkeit.

Anders als eine klassische Laserpistole muss PoliScan nicht für jedes Fahrzeug manuell anvisiert werden. Das System überwacht einen größeren Messbereich und kann mehrere Fahrzeuge erfassen. Gerade deshalb ist die Zuordnung des Messwerts zum richtigen Fahrzeug ein wichtiger Prüfpunkt.

Welche PoliScan-Geräte gibt es?

PoliScan ist eine Gerätefamilie. In PTB-Übersichten und technischen Unterlagen finden sich verschiedene Bauarten und Varianten. Für einen konkreten Bußgeldfall ist deshalb relevant, welches System tatsächlich verwendet wurde.

VarianteEinordnung
POLISCAN FM1aktuell von der PTB gelisteter Laserscanner; kombinierte Rotlicht- und Geschwindigkeitsüberwachungsanlage, DE-17-M-PTB-0033
PoliScan speedältere Laserscanner-Bauart, PTB-Archiv
PoliScan speed F1ältere Laserscanner-Bauart, PTB-Archiv
PoliScan F1kombinierte Rotlicht- und Geschwindigkeitsüberwachungsanlage, PTB-Archiv
PoliScan F1 HPkombinierte Rotlicht- und Geschwindigkeitsüberwachungsanlage, PTB-Archiv
PoliScan M1 HPältere Laserscanner-Bauart, PTB-Archiv

Technische Einordnung

EigenschaftEinordnung
HerstellerVITRONIC
MessprinzipScanning-Lidar
Einsatzstationär, mobil und je nach System semistationär
Erfassungmehrere Fahrzeuge und Fahrspuren je nach Konfiguration möglich
DokumentationMessdaten, Bilddokumentation und Auswertung
Prüfstellemetrologische Zulassung beziehungsweise Zertifizierung entsprechend der jeweiligen Bauart

Welche technischen Angaben nennt der Hersteller?

VITRONIC beschreibt POLISCAN FM1 als vollautomatisches Lidar-System für stationäre, mobile und semistationäre Geschwindigkeitsüberwachung. Nach den Herstellerangaben kann das System mehrere Fahrzeuge gleichzeitig erfassen und je nach Einsatzszenario Front- oder Heckmessungen durchführen.

Herstellerangabe zu POLISCAN FM1Einordnung für Betroffene
Erfassungsbereichbis etwa 75 Meter; der Messbereich muss zur konkreten Situation und Dokumentation passen
Geschwindigkeitsmessbereich10 bis 320 km/h; relevant ist trotzdem der im Bußgeldbescheid konkret vorgeworfene Messwert
Überwachungsbereichbis zu vier Fahrspuren bei Front- oder Heckmessung; bei mehreren Fahrzeugen ist die Zuordnung besonders wichtig
Kameras und Beweisfotohochauflösende Kameras und digitale Fallfotos; für die Verteidigung sind Messfoto, Falldatei und Auswertung maßgeblich
MesswertaufnehmerLidar-Sensor der Laserklasse 1; PoliScan ist deshalb kein klassischer Radarblitzer
Betriebsartenstationär, mobil und semistationär; dazu passen Säule, mobiles System und Enforcement Trailer
Stationäres PoliScan-Gerät am Straßenrand
@zuschnell.org - Shutterstock, ID 1456363274 - stationäres PoliScan-Gerät am Straßenrand.

Bei stationären PoliScan-Anlagen kommt es in der Prüfung unter anderem darauf an, ob Standort, Gerätekonfiguration, Eichung beziehungsweise Konformität und Auswertung zur konkreten Messung passen. Auch bei fest installierten Anlagen ersetzt das sichtbare Gerät nicht die Prüfung der Messakte.

Enforcement Trailer als semistationäres PoliScan-Gerät am Straßenrand
@zuschnell.org - Shutterstock, ID 1582376374 - Enforcement Trailer als semistationäres PoliScan-Gerät am Straßenrand.

Der Enforcement Trailer unterscheidet sich vom klassischen festen Blitzer, weil er für eine gewisse Zeit an einem Messort aufgestellt und später wieder umgesetzt werden kann. Für Betroffene bleibt auch hier wichtig, welche konkrete Geräteversion, welcher Standort und welche Messdokumentation in der Akte stehen.

Ist PoliScan ein standardisiertes Messverfahren?

PoliScan-Messungen werden in der Rechtsprechung grundsätzlich als standardisierte Messverfahren behandelt. Das bedeutet aber nicht, dass jeder einzelne Bußgeldvorwurf automatisch richtig ist.

Das OLG Düsseldorf hat für Messungen mit dem Laserscanner PoliScan ausgeführt, dass die Einordnung als standardisiertes Messverfahren in der Rechtsprechung hinreichend geklärt ist. Das BayObLG behandelte am 01.03.2024, Az. 201 ObOWi 110/24, ausdrücklich eine Messung mit POLISCAN FM1 und ordnete auch diese Messung als standardisiertes Messverfahren ein.

Im konkreten Verfahren können unter anderem Zuordnung des Fahrzeugs, Messbild, Falldatei, Softwarestand, Auswertesoftware und Einhaltung der Vorgaben geprüft werden. Das ist besonders wichtig, wenn ein Fahrverbot oder Punkte drohen.

Macht ein unvollständiges Messprotokoll die PoliScan-Messung unwirksam?

Nein, nicht automatisch. Entscheidend ist, ob die konkrete Abweichung die Messrichtigkeit beeinflussen kann. Das BayObLG befasste sich am 01.03.2024 unter anderem mit einem fehlenden Haken zum Schwenkwinkel im Messprotokoll.

Ein unvollständig ausgefülltes oder widersprüchliches Messprotokoll kann aber Anlass für eine nähere Prüfung geben. Dann sollte geklärt werden, ob Messbeginn, Messende, Gerätestand, Bedienung, Standort, Schwenkwinkel und Auswertung nachvollziehbar dokumentiert sind.

Was ist speziell bei PoliScan prüfbar?

  • Zuordnung des Messwerts: Ist nachvollziehbar, welchem Fahrzeug der Messwert zugeordnet wurde?
  • Auswertebereich: Passt die Position des Fahrzeugs im Messbild zu den Vorgaben der Geräteversion?
  • Falldatei: Welche Daten enthält der Messdatensatz und sind sie vollständig?
  • Gerätestand: Welche PoliScan-Version und welcher Softwarestand wurden verwendet?
  • Eichung beziehungsweise Konformität: War das Gerät zum Tatzeitpunkt ordnungsgemäß im Messbetrieb?
  • Messaufbau: Wurde das System entsprechend Gebrauchsanweisung und Messprotokoll eingesetzt?

Welche Bedeutung hat der Auswerterahmen bei PoliScan?

Der sichtbare Auswerterahmen zeigt bei PoliScan nicht einfach den Bereich, in dem die Geschwindigkeit entstanden ist. Er dient vor allem der Auswertung und Fahrzeugzuordnung. Deshalb muss bei der Prüfung berücksichtigt werden, welche Vorgaben für die konkrete Geräte- und Softwareversion gelten.

Das OLG Düsseldorf hat zur Auswertung einer PoliScan-Messung betont, dass der Auswerterahmen nicht mit der eigentlichen Zone der Messwertentstehung verwechselt werden darf. Die Zuordnung erfolgt über den technischen Detektions- und Objektverfolgungsprozess; gerade bei mehreren Fahrzeugen im Bild ist deshalb die konkrete Auswertung wichtig.

KI-generiertes Symbolbild einer mobilen PoliScan-Messung mit Auswerterahmen
@zuschnell.org - KI-generiertes Symbolbild: vereinfachte Darstellung einer mobilen PoliScan-Messung mit Auswerterahmen und anonymisiertem Fahrzeugbereich.

Ein solches Bild kann helfen, die Prüfung besser zu verstehen: Der farbige Rahmen macht sichtbar, welcher Fahrzeugbereich in der Auswertung betrachtet wird. Für den konkreten Bußgeldfall bleibt aber die originale Falldatei mit Messfoto, Messdaten und Auswertesoftware entscheidend.

Das sagt Rechtsanwalt Kay Stolle

Fachliche Einordnung zu PoliScan

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Bei einer PoliScan-Messung interessiert mich nicht nur der angegebene Messwert. Für die Prüfung kommt es darauf an, welches Gerätemodell eingesetzt wurde, wie die Messung dokumentiert ist und ob sich Messwert und Fahrzeug eindeutig zuordnen lassen.

Welche Folgen kann eine PoliScan-Messung haben?

Welche Folgen eine PoliScan-Messung hat, richtet sich vor allem nach der festgestellten Geschwindigkeitsüberschreitung. Je nach Höhe des Verstoßes können Bußgeld, Punkte in Flensburg und ein Fahrverbot hinzukommen.

Für Fahranfänger können außerdem Maßnahmen während der Probezeit relevant werden. Angaben zur Sache sollten nicht vorschnell erfolgen, wenn Messfoto oder Fahrerzuordnung unklar sind.

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FAQ zu PoliScan

Wie funktioniert PoliScan?

PoliScan arbeitet mit Scanning-Lidar. Das System erfasst Fahrzeuge im Messfeld und berechnet die Geschwindigkeit aus Positionsdaten.

Ist PoliScan ein Radarblitzer?

Nein. PoliScan arbeitet nicht mit Radar, sondern mit einem Laserscanner-Verfahren.

Welche PoliScan-Geräte gibt es?

Das aktuell von der PTB gelistete System der Familie ist POLISCAN FM1. Ältere Varianten wie PoliScan speed, PoliScan speed F1, PoliScan F1, PoliScan F1 HP und PoliScan M1 HP stehen in PTB-Archivlisten.

Kann PoliScan mehrere Fahrzeuge erfassen?

Ja, je nach System und Konfiguration kann PoliScan mehrere Fahrzeuge oder Fahrspuren erfassen. Gerade dann ist die Fahrzeugzuordnung besonders wichtig.

Ist PoliScan ein standardisiertes Messverfahren?

PoliScan wird grundsätzlich als standardisiertes Messverfahren behandelt. Trotzdem kann im Einzelfall geprüft werden, ob Messung, Auswertung und Zuordnung ordnungsgemäß dokumentiert sind.

Welche Unterlagen sind bei PoliScan wichtig?

Wichtig sind Messfoto, Falldatei, Messprotokoll, Eichnachweis, Softwarestand, Auswertesoftware, Bediennachweise und Angaben zu Messort und Fahrzeugzuordnung.

Wann lohnt sich ein Einspruch gegen PoliScan?

Ein Einspruch kann sinnvoll sein, wenn Punkte, Fahrverbot, Probezeitfolgen oder Zweifel an Geräteversion, Messfoto, Falldatei, Auswertung oder Fahrzeugzuordnung bestehen.