Burcu Bostan
    Burcu Bostan 29.05.2026 5 Minuten

    Wer auf dem Weg durch Italien wegen Baustellen im Stau steht, könnte bald zumindest finanziell entlastet werden. Geplant ist eine Rückerstattung bei erheblichen Verzögerungen auf Autobahnen. Die Regelung hat jedoch Grenzen.


    Das Wichtigste in Kürze:
    • Wer auf italienischen Autobahnen baustellenbedingt im Stau steht, kann künftig Anspruch auf eine Mautrückerstattung haben.
    • Start der neuen Regelung ist der 1. Juni 2026.
    • Sie gilt unter bestimmten Voraussetzungen auch für Fahrzeuge aus dem Ausland.


    Italien macht Baustellen-Staus zur Mautfrage

    Wer auf Italiens Autobahnen Maut zahlt, erwartet vor allem eines: zügig voranzukommen. Doch Baustellen können aus einer geplanten Durchfahrt schnell eine Geduldsprobe machen.

    Ab dem 1. Juni 2026 soll es dafür erstmals einen finanziellen Ausgleich geben. Bleiben Autofahrer wegen Bauarbeiten deutlich länger auf der Strecke, kann ein Teil der gezahlten Maut zurückerstattet werden.

    Hinter der Neuerung steht die italienische Verkehrsbehörde ART. Sie will Autobahnbetreiber stärker in die Verantwortung nehmen, wenn lange Baustellen den Verkehr erheblich verlangsamen. Zum Start greift die Regel allerdings nur auf Abschnitten, die vollständig von einem einzigen Betreiber verwaltet werden.



    Ab wann eine Rückerstattung möglich ist

    Ob Autofahrer Geld zurückbekommen, hängt nicht nur vom Stau selbst ab, sondern auch von der gefahrenen Strecke. Auf Abschnitten bis 50 Kilometer kann bereits eine Verzögerung von zehn Minuten ausreichen. Bei längeren Fahrten soll der Anspruch ab 15 Minuten Zeitverlust entstehen.

    Besonders teuer für die Betreiber kann es bei extremen Verzögerungen werden: Wer wegen einer Baustelle mindestens drei Stunden feststeckt, soll unter Umständen die komplette Maut zurückerhalten. Die Regelung setzt damit dort an, wo der bezahlte Autobahnkomfort kaum noch spürbar ist.



    Warum nicht jeder Stau zählt

    Die geplante Erstattung ist an klare Grenzen gebunden. Maßgeblich ist, dass der Zeitverlust durch Bauarbeiten ausgelöst wurde. Ein stockender Reiseverkehr allein reicht deshalb nicht aus, um eine Rückzahlung zu verlangen.

    Ausgenommen bleiben unter anderem Unfälle, Unwetter oder kurzfristige Maßnahmen zur Gefahrenabwehr. Auch Notfall-Baustellen sollen nicht unter die neue Regel fallen. Für Reisende wird es daher wichtig, zwischen einem normalen Verkehrsstau und einer entschädigungsfähigen Baustellenverzögerung zu unterscheiden.



    Was deutsche Urlauber einplanen sollten

    Gerade für Urlauber aus Deutschland kann die Neuregelung relevant werden. Auf den klassischen Routen Richtung Gardasee, Adria, Toskana oder Süditalien treffen in den Sommermonaten häufig Baustellen und dichter Reiseverkehr aufeinander. Wer dort viel Zeit verliert, sollte künftig prüfen, ob eine Rückzahlung infrage kommt.

    Für registrierte Nutzer von autostrade.it und der dazugehörigen App soll die Erstattung automatisch abgewickelt werden. Wer ohne App unterwegs ist, muss den Betrag selbst einfordern – etwa über Hotline oder E-Mail. Eine Registrierung kann sich deshalb vor allem für Reisende lohnen, die regelmäßig nach Italien fahren.



    Italiens Mautsystem steht vor weiteren Änderungen

    Die Rückzahlung bei Baustellen-Staus ist nur ein Baustein einer größeren Reform. Italien will die Autobahnmaut transparenter machen und stärker daran ausrichten, welche Leistung Autofahrer auf der Strecke tatsächlich erhalten.

    Diskutiert wird auch ein flexibleres Preismodell. Künftig könnten etwa die Verkehrslage, die Tageszeit oder die Umweltklasse des Fahrzeugs Einfluss auf die Höhe der Maut haben. Damit würde sich das System stärker von festen Gebühren lösen – hin zu Preisen, die sich an den jeweiligen Bedingungen orientieren.


      Wer eine Fahrt entlang der Amalfitana plant, sollte sich nicht nur auf Staus einstellen, sondern auch die dortigen Fahrverbote kennen. Alle wichtigen Details finden Sie in unserem Beitrag zum Fahrverbot an der Amalfiküste.



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